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Warum werden Superreiche immer Reicher?

Wieso Reiche, reicher werden als nicht reiche.

“Weil du reicher bist, werde ich noch reicher!”

“Die Reichen werden immer Reicher.” Heißt es immer wieder in den Medien. Zuletzt bin ich auf diesen netten Beitrag gestolpert, welcher bei Facebook geteilt wurde:

Freitag: Wär ich nicht arm wärst du nicht reich?

Hierbei geht es darum, dass die Armen arm sind, weil die Reichen reich sind. Zuerst einmal wird hier sehr stark in Schubladen gedacht: “Die Armen” und “die Reichen”. Nennen wir diese doch einfach einmal anders: Arbeiter und Unternehmer. Dann wird im Text einiges klarer.

So ganz kann ich das nicht befürworten. Was im Text steht. Hier 2 Punkte die ich stark aus dem Zusammenhang gerissen finde.

Zitat:
“Seit 1970 stieg in der ärmeren Hälfte der Bevölkerung das durchschnittliche Jahreseinkommen – nach Steuern und staatlichen Transfers – von 19.000 auf 27.000 Dollar, also um rund 40 Prozent. Dagegen hat sich das Einkommen der reichsten zehn Prozent mehr als verdoppelt.”

Woran kann das liegen? Ganz klar: Zuerst ist das Einkommen der Arbeiter um rund 40 Prozent gestiegen.

Zur Vereinfachung stellen wir uns einmal einen Stadt-Staat mit wenigen Einwohnern vor. In Appletown arbeiten 5 Arbeiter in einer Apfelsaft Fabrik. Der Besitzer der Fabrik konnte gute Umsätze machen und reinvestiert einen Teil davon in höhere Gehälter. Jeder der Arbeiter bekommt nun 14 EUR anstatt wie vorher nur 10 EUR (+40%). Darüber sind die Arbeiter sehr Glücklich, den Sie können nun Ihren Lebensstandard erhöhen.

Bisherige Ausgaben: 10 EUR
6 EUR Fixkosten, Wohnen, Steuern etc…
1 EUR an den Bauern für 1 Apfel pro Arbeitstag
1 EUR für Essen daheim
1 EUR für Getränke daheim (Wasser)
1 EUR für Unterhaltung/Hobby

Jeden Morgen steht der Bauer von Appletown vor der Fabrik und verkauft seine schönsten Äpfel an die Arbeiter als Lunch-Mahlzeit. Da diese nun mehr Gehalt bekommen kaufen Sie statt 1 Apfel ganze 2 Stück. Hierdurch hat sich der Umsatz verdoppelt (+100%). Die erhöhte Nachfrage kann der Bauer nur erfüllen, indem er sich einen weiteren Apfelbaum (Auf Kredit) kauft. Neben den schönen Lunch-Äpfeln hat dieser nun aber auch doppelt so viel B-Ware. Er fragt den Fabrik-Besitzer, ob er seine Abnahme an unschönen Obst für die Saftproduktion nicht erhöhen will. Dieser willigt zu einem besseren Preis als vorher ein. Hierdurch macht der Bauer nicht wirklich mehr Gewinn als Vorher, was dem Bauer aber egal ist, Hauptsache er bekommt seine Überproduktion los.

Da die Fabrik Ihre Produktion nun verdoppelt sinkt auch der Preis pro Apfelsaft. Dies ist auch durch eine größere und leistungsstärkere Maschine der Fall, welche auf Kredit genommen wurde. Dieser wird nun so Günstig, dass statt nur am Wochenende die Haushalte jeden Tag in der Woche einen Saft trinken. Statt 10 Flaschen pro Woche werde nun 50 Flaschen verbraucht (+500%). Und am Wochenende? da wird nun teurer Birnensaft aus Peartown importiert. Auf jeden Fall haben alle Arbeiter Ihre Ausgaben um 40% erhöht. Während die Unternehmer Ihre Ausgaben verringert und die Einnahmen erhöht haben.

Danach die Ausgaben: 14 EUR
6 EUR Fixkosten, Wohnen, Steuern etc…
2 EUR an den Bauern für 2 Apfel pro Arbeitstag
2 EUR für Essen daheim
2 EUR für Getränke daheim (Apfelsaft statt Wasser)
2 EUR für Unterhaltung/Hobby

Der Reichtum der Unternehmer ist in dieser Geschichte nicht durch die Armut der Arbeiter entstanden. Sondern durch Ihre Ausgaben. Während die Arbeite Ihre Ausgaben erhöht haben, haben die Unternehmer neben weitaus höheren Einnahmen auch Investitionen getätigt. Diese erhöhen Ihr Vermögen und damit auch Ihre Kreditwürdigkeit bei weiteren Expansionen. Sicher wird der Fabrikbesitzer Irgendwann auch Birnen verarbeiten und den Importpreis unterbieten können. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Was Unterscheidet denn Arbeiter von Unternehmern?

Hier der ganz einfache Punkt, warum die Einkommen auch so Unterschiedlich wachsen:
Der Arbeiter hat ein Produkt: Seine Zeit/Arbeitskraft. Diese stellt er seinen einen Kunden, dem Unternehmer zu Verfügung und bekommt dafür als Gegenleistung Gehalt.
Der Unternehmer hat viele Kunden und viele Produkte. Dieses sind Variable. Das Heißt wenn es schlecht Läuft werden wenig Äpfel gekauft, oder es der Unternehmer besitzt weniger Äpfel als Bedarf da ist. Dafür kann aber auch die Kaufkraft der Kunden steigen, womit auch der Umsatz dementsprechend stärker wächst.
Der Arbeiter Konsumiert seine Einnahmen, der Unternehmer Investiert diese.

Aber wichtiger Punkt: Jeder Arbeiter kann Unternehmer werden! Alles was dazu Notwendig ist, ist dass weniger Konsumiert wird als Eingenommen. So kann Geld Investiert werden.

Weiterer Punkt aus der Geschichte den ich nicht ganz Verstehe:
Zitat: “Welche Wirkung eine dreiprozentige Steuer auf Vermögen oberhalb von einer Milliarde Dollar hätte, hat Zucman durchgerechnet: Wäre sie seit 1982 erhoben worden, so hätte Amazon-Chef Jeff Bezos vergangenes Jahres nicht 160 Milliarden Dollar besessen, sondern „nur“ 87 Milliarden. Gates wäre 60 Milliarden ärmer, Buffett fast 40 Milliarden und Mark Zuckerberg hätte statt 61 nur 44 Milliarden Dollar.”

Hier sehr gut zu sehen: Die Super-Reichen wären weniger Reich. Aber wie würde sich diese Steuer auf die “Ärmeren” auswirken? Hier gibt es in der Regel 2 Möglichkeiten:
a) Die Steuer trifft die falschen. Vor allen jene die an der oberen Grenze der Mittelschicht sind. Diese Steuer hält Sie ab aufzusteigen. Oder schlimmer, diejenigen die viel Verdienen weil Sie viel arbeiten müssen um Ihre Schulden abzuzahlen werden nun zusätzlich belastet. Die ganz armen spüren keinen Unterschied zu vorher.
b) Gar nicht. Die Superreichen sind weniger Reich, das macht die Ärmeren aber nicht reicher. Denn dieser Zusammenhang ist nirgendwo logisch erläutert. Auch wird der Staat mit Sicherheit nicht die Steuern senken, da er nun so gut verdient. Ähnlich wie die Arbeiter aus der Geschichte wird dieser nur seine Ausgaben erhöhen, leider oft ohne wirklich erkennbare Ergebnisse.

Was wir wirklich Lernen sollten: Erhöhe nicht deine Ausgaben, Erhöhe dein Vermögen.

Disclaimer:

Dieses Gedankenspiel ist mit durch das ein oder andere Wirtschaftsbuch und anderen Bildungsmedien entstanden. Es besteht also keine Garantie, dass ich hier 100% richtig liege. Sehr gerne freue ich mich über eine Lebhafte Diskussion und aber auch Links zu Quellen die mich eines besseren Belehren.

Weitere Links:
– passendes Buchreview: How an Economy Grows
10 Punkte die man über Finanzen wissen sollte

Erfolgreiche Grüße
euer Beewulf

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