AllgemeinHistory

Altes Speichermedium: Das Buch im Ledercover

Eine meine großen Leidenschaften wurde das Sammeln alter Bücher.

Alte Bücher haben sowohl von der Haptik wie auch vom Inhalt einiges mehr zu bieten als die heutigen Bücher mit dünnem Einband. Ich rede von Bücher, welche noch nach alter Tradition von einem Buchbinder hergestellt wurden. Das Papier ist durch die Jahre leicht gebräunt. Der Einband hat schrammen im festen Gebinde welches aus Stoff, Leder oder anderen festen Materialien besteht. Der Druck auf diesem kann gefühlt werden. Oft wurde Rillen vergoldet. Macken, Eselsohren und persönliche Notizen der Vorbesitzer sind wie die Narben eines Seemannes, die eigene Geschichten von der rauen See erzählen.

Relikte der Vorbesitzer, welche im Buch weiterleben

Auf den ersten Seiten der von mir gesammelten teils antiken Büchern stehen Widmungen oder Namen. So fängt das Buch an eine Geschichte zu erzählen, bevor die eigentliche Geschichte anfängt.

„Unserem lieben Arbeitskameraden Münkel mit den besten Wünschen für baldige Genesung gewidmet von den Arbeitskameradinnen u. -kameraden der Betriebskrankenkasse der I.G.farbenindustrie A.G. kfm.-höchst
September 1941“
Aus meinem Buch: „Schwerter und Spindeln: Ahnen des Abendlandes“

In der Familienbibel, welche 1925 gedruckt wurden stehen die Namen des Ehepaares welche 1928 geheiratet haben. Nach Recherchen habe ich herausgefunden, dass der 7 Jahre später geborene Sohn im Alter von 81 Jahren in Koserov beerdigt wurde.

Die Bibel aus 1908 ist unangetastet. Niemand hat seinen Familienstammbaum in die dafür vorgesehen Seiten eingetragen. Hat dies evtl. damit zu tun, dass der Einband beschädigt wurde und das Buch nicht mehr verkauft werden konnte?

Zwischen den Zeilen steht unbewusst der Zeitgeist

Aber auch inhaltlich erzählen die Geschichten wie die Menschen damals gedacht haben. Wenn z.B. im Jules Verne Roman über wilde primitive Stämme in Afrika berichtet wird. Oder aber wenn es im Dr.Oetker Schul-Kochbuch heißt, die Frau soll Sparsam mit dem Geld Ihres Mannes umgehen. Daraufhin folgt in diesem Buch eine Erklärung, dass man doch nur soviel für den Einkauf ausgeben darf, wie das Budget hergibt. Und in diesen Kochbuch(!) steht man solle den Mädchen und sich das Nähen beibringen, damit man kein Geld für neue Kleidungsstücke ausgeben muss. Im Buch „Geheimnisse des Erfolges“ von 1957 steht geschrieben, wie erfolgreiche Unternehmer die Besatzungsmacht ausgetrickst haben, um Ihr Unternehmen zu starten (z.B. Max Grundig). In diesem Buch geht es fast 75 Seiten lang nur um Glücksspiel und wie man dadurch auch Reich werden kann. (Loterien waren die damaligen Bitcoins?)

E-Books ein Platzsparender Segen… aber es fehlt etwas.

Neue Technologien bringen uns neue Möglichkeiten. Nicht alles was neu ist, ist auch schlecht. Technologie ermöglicht uns heutzutage unglaubliches zu leisten. Es wird einfacher etwas zu suchen, kaufen in Kontakt zu treten und sich selber weiterzubilden. E-Books haben die tolle Eigenschaft, das man eine ganze Bibliothek mit sich rumtragen kann, überall wo man hingehen kann. Aber mir fehlt hier die Seele, die etwas Organisches wie Papier, Stoff, Holz, Leder etc aufnimmt. Die E-Books verraten wenig über die Vorbesitzer. Die Bücher erleben keine Geschichte mehr, Sie erzählen „nur“ noch diese. Es fehlt auch noch das tolle Gefühl, wenn man sich durch 500 Seiten durchkämpft hat und das den Einband zumacht. Das schwere Buch noch einmal in der Hand wiegt und die Geschichte mit all seinen Höhen und Tiefen verdaut.

Was meint Ihr?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.